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28.02.1986

 

Gedanken zum 1. August 2012 - "Die erste 1. August Rede"
Inc. Präsident  Eugen Knobel

Liebe Rotarierinnen, liebe Rotarier
Liebe Gäste, liebe Eidgenossen

Etwas mulmig kam es mir schon vor, diese 1. August Rede vorbereiten und halten zu dürfen. Für einmal steht kein Politiker oder sonst geübter Redner vor euch, sondern ein Handwerker und bodenständiger Eidgenosse, der sich enorm freut, zum Schweizer Nationalfeiertag etwas erzählen zu dürfen. Ihr werdet heute kein Wahlversprechen hören, da ich bereits als Incoming-Präsident gewählt worden bin.

Vielmehr möchten wir uns heute um die Frage kümmern: „Was ist eigentlich der 1. August, welcher als Geburt und Ursprung der Schweizerischen Eidgenossenschaft gilt?“

Der Rütlischwur markiert, so sagt es die Geschichte, den Beginn der Eidgenossenschaft. Im Jahre 1291 trafen sich Vertreter aus den drei Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden auf der Rütliwiese am Vierwaldstättersee und schlossen ein Verteidigungsbündnis gegen die Österreicher und andere lästige Feinde. Mit einem Eid wurde dies Niet- und Nagelfest besiegelt. Der entsprechende Zeitpunkt gilt somit als Ursprung des offiziellen Namens „Schweizerische Eidgenossenschaft“.

Diese und ähnliche Worte vom 1. August haben wir bereits als Kind oftmals gehört. Da stellt sich die Frage: „Wie habe ich als junger Knabe den 1. August erlebt?“ Mit dem Lampion durften wir zur Feier laufen, dazu gab es eine ordentliche Bratwurst - wahrscheinlich auch deshalb, dass wir die gewünschte Ruhe während den Reden, 
wenigstens teilzeitig beachtet haben. Oh ich erinnere mich, wie leise wir sein mussten. Als dann jeweils die Nationalhymne gesungen worden ist, wurde es mulmig und warm ums Herz. „Oh du Schreck, der Lampion brennt.“ Grosse Tränen waren die Folge. Doch das anschliessende Feuerwerk hat alles wieder vergessen gemacht. So erinnere ich mich an den 1. August als Kind.

Und wie erlebe ich den 1. August im Jahre 2012? Manchmal etwas nachdenklich und ich frage mich: „Haben wir unsere Wurzeln heute noch am richtigen Ort? Sind wir noch Eidgenossen? Sind wir wirklich noch Kämpfer? Sind wir mit uns als Schweizer noch zufrieden?“ Denken wir dabei auch an andere Länder, sind wir als Schweizer zu beneiden. Reden wir von unserem Föderalismus, der die Macht auf das ganze Land verteilt und keine Konzentration im Bund zulässt. Sprechen wir von unserem Wohlstand und den sozial weitausgebauten Auffangnetzen. Denken wir an andere Menschen mit anderen Gegebenheiten und Voraussetzungen auf dieser Erde. Sehr viele würden sofort mit uns tauschen wollen. Auch solche Gedanken sollen am Nationalfeiertag angesprochen werden - ob es nun passt oder nicht.

Auf der Basis der Dankbarkeit als Schweizer geboren zu sein, bauen wir auf für die Zukunft. Nichts auf dieser Erde ist selbstverständlich, sondern sollte bewusst gepflegt und vor allem geschätzt werden. Dabei geht es um mehr als um wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg oder die Steigerung unseres Reichtums. Es geht hauptsächlich um Bedürfnisse nach Sicherheit, Solidarität, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Vertrauen. Diesen Grundbedürfnissen hat unsere Politik Rechnung zu tragen.

Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Darum brauchen wir in unserer Schweiz nicht nur grosse Versprechen und Sprücheklopfer. Wir brauchen Frauen und Männer mit einer klaren Grundhaltung aus der deutlich wird, dass die Gesellschaft als Gemeinschaft und sozialer Verantwortung zu sehen sind, was weitaus wichtiger als eigenes Prestige ist. Wir brauchen Schweizer Frauen und Männer die solche Ideale und Ideen umsetzen.

An dieser Stelle ist es an der Zeit, sich Gedanken über aktuelle Geschehnisse in der ganzen Welt zu machen. Ich bin mir sicher, euch alle kommen verschiedene Ereignisse in den Sinn. Wenn ich tagtäglich die Zeitung öffne frage ich mich manchmal schon. Da war beispielsweise der 17. Juli 2012. Öffne ich die Neue Zuger Zeitung: „Solides Handwerk wird belohnt. UBS als beste Bank in der Schweiz ausgezeichnet.“

Hingegen der Tages Anzeiger bringt eine andere Schlagzeile in Bezug auf die anscheinend beste Bank der Schweiz ans Licht: „Die Besten können Betrüger sein. Die Manipulation der Zinssätze entlarvt die neue Finanz-Elite als gewöhnliche Verbrecherbande.“

Diese Schizophrenie in der heutigen Welt beschäftigt mich manchmal schon. Für Banken werden Preise vergeben. Und was ist mit all den zahlreichen soliden Handwerkern in der Schweiz, die ebenfalls täglich für eine erfolgreiche Zukunft kämpfen?  Die Liste solcher Vorfälle ist leicht zu ergänzen. Sei es durch die aktuelle Geschichte des Steuerskandals mit Deutschland oder in einem anderen Kontext der Klimawandel, welcher uns seit Jahren beschäftigt.

Liebe Mitrotarier
Und was können wir nun dazu beitragen, um unsere Eidgenossenschaft weiterhin auf Erfolgskurs zu halten? Seien wir stolz darauf, Schweizer zu sein und seien wir offen für neue Herausforderungen. Patriotismus hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit, sondern mit Offenheit, Toleranz und Gleichberechtigung gegenüber anderen zu tun, wobei auch Freundlichkeit und Höflichkeit unumgänglich sind. In diesem Sinne wünsche ich euch einen tollen 1. August, mit oder ohne Lampion, und ich freue mich auf die Zukunft.


Euer
Eugen Knobel