user_mobilelogo

Rotary Zug-Zugersee

rotary zug zugersee rechte spalte

Kontakt Sekretär

Club Nr.
Distrikt
Gründung
23530
1980
28.02.1986

 

Gedanken zum 1. August 2011
Inc. Präsident  Kurt Schweizer

Liebe Mit-Rotarier

es ist für mich eine grosse Ehre vor euch meine erste Erst-Augustrede halten zu dürfen. Nicht weil es Tradition ist für den Incominpräsidenten,  nein weil ich als Schweizer schon lange darauf gewartet habe, endlich einmal meine Gedanken über den 1. August loszuwerden.

Als Kind dachte ich sowieso, die 1. Augustfeier sei nur wegen der Bratwurst, des Biers und des Feuerwerks zuliebe erfunden worden; so wie halt der Valentinstag für die Blumenhändler. Für mich war es wichtig, die grösseren Vulkane, die lautetesten Chlöpfer und die höher fliegenden Raketen  als mein Schulfreund zu besitzen. Und dann gab es ja noch den Wettbewerb unter Schulkameraden: Wer am meisten 1. August-Abzeichen verkaufte, durfte in der Turnstunde das Spiel bestimmen. Dieses Spiel bestimmen zu dürfen, war Motivation genug, eine Verkaufsstrategie auszudenken, um möglichst viele Abzeichen unter die Leute zu bringen. Als Verkaufsidee halfen Argumente wie  „der Beitrag sei für die Benachteiligten und die Kultur unseres Landes“ wenig. Viel Erfolg hatte ich dann mit meinem Verkaufs-Trick „Kaufen Sie mein letztes Abzeichen!“ (Das Abzeichen 1962 war übrigens eine goldene Glocke mit Kreuz, an einem weiss-roten Stoffband).

Heute ist für mich der Erste August ein Feiertag der Tradition. Aber traditionelles Denken oder - anders ausgedrückt - die bewusste Auseinandersetzung mit den historischen Ursprungsgedanken eines Festtages ist nicht mehr „in“. Der moderne Mensch lebt im Heute, allenfalls noch in Träumen vom Morgen. Wozu sich um etwas kümmern, was gestern war? Viele wollen der Freiheit wegen keine Verantwortung übernehmen und das birgt die Gefahr der Förderung zum Egoismus. Darum brauchen wir heute in unserem Land nicht in erster Linie grosse Versprechen und Sprücheklopfer. Wir brauchen viel mehr Männer und Frauen mit einer gesunden geistigen Grundhaltung. Menschen, denen die Gesellschaft als Gemeinschaft und die soziale Verantwortung ganz allgemein wichtiger sind als eigenes Prestige, Selbstverwirklichung und Gewinnoptimierung. Wir brauchen Menschen, die nicht nur auf die Fehler und Mängel anderer zeigen; die nicht nur von Krisen, sondern auch von Chancen sprechen. Wir haben die zweifelhafte Fähigkeit entwickelt, uns und andere in aller Öffentlichkeit schlecht zu machen. Wir nörgeln ständig an allem herum und sind unzufrieden. Wir haben im Vergleich zu anderen Ländern wirklich kleinere Probleme, beherrschen es jedoch, die Probleme so aufzublasen, als ob der Weltuntergang vor der Türe stünde.

Es werden Menschen verurteilt, bevor sie angeklagt werden. Als Beispiel der jüngste Vorwurf gegen den IWF Präsidenten und die sofortige Verbreitung durch die Medien. Dies genügte, um 1 Stunde später den Eurokurs fallen zu lassen! Lassen wir uns doch nicht so einfach beeindrucken von geschriebenen oder farbig gedruckten „Tatsachen“ mit Bildern, die wir - wie wir ja wissen - mit unseren Fotoprogrammen selber gestalten können wie wir sie haben möchten. Wir sind ein Teil der Kommunikation geworden. Immer und überall sind wir erreichbar. Eine neue Sprache hat sich entwickelt: die „SMS“ Sprache und wir verleiten uns dazu diese auch noch so zu sprechen! Ein Beispiel aus einem Liebesbrief von damals 1979 : Mit Sehnsucht habe ich am Fenster gewartet bis du mit deinem neuen roten Cabriolet nach Hause kamst. Dasselbe Heute in SMS Sprache: ich weisch scho wo dis Auto wohnä hä ! Sollen wir all diese Entwicklungen einfach still verfolgen und froh sein, dass wir wenigstens unseren „Freitag-Lunch“ ungestört einnehmen können? Nein, im Gegenteil. Nur wer gegen den Strom schwimmt, kommt eines Tages bei der Quelle an.

Feiertage sind dabei grossartige Chancen, gegen den Strom zu schwimmen. Wir sollten mehr Dankbarkeit üben, damit wir in Zukunft nicht oberflächlich und übermütig oder sogar überheblich werden.
Auf der Basis dieser Dankbarkeit  sollten wir an der Zukunft bauen. Nichts ist selbstverständlich, sondern muss bewusst gepflegt werden. Dabei geht es eben um mehr als einfach nur um politischen, wirtschaftlichen oder persönlichen Erfolg oder die Steigerung unseres Reichtums. Es geht um Bedürfnisse nach Sicherheit, Solidarität, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Vertrauen. An diesen immateriellen Werten müssen wir in der Schweiz Sorge tragen.

Es gibt noch eine weitere Sorge, die mir zu denken gibt. Ein Naturgesetz besagt: Was nicht wächst, stirbt. Auch die Wirtschaft, ein Kanton, ein Land ist diesem Gesetz unterworfen. Solange wir am Expandieren sind wachsen wir. Aber wie kann man in der Schweiz noch wachsen? Die Grenzen sind doch gesteckt! Man kann auch qualitativ wachsen. Es gibt Umweltsachen zu verbessern; Verschönerungen, die man vornehmen kann, neue Ideen, die kreiert werden müssen, wie z.B einen Ersatz für Erdöl und Atomenergie zu finden. Entdecken wir doch wieder ganz einfach das Gute in unserer Schweiz. Wir haben die besten Ressourcen an qualitativ hoch stehenden Arbeitskräften, wir haben eine fantastische Landschaft und viele willige Leute, die etwas unternehmen wollen. Unterstützen wir die Jugend und dazu passt das diesjährige Erste Augustabzeichen ausgezeichnet….

Die Bratwurst ist zwar dem Rinds-Filet gewichen, das Bier dem Amarone und aus dem Kurtli mit den stinkenden Frauenfürzen ist ein echter Pyromane geworden. Was geblieben ist, ist das 1.August-Abzeichen und eine grosse Dankbarkeit als Schweizer glücklich mit einer Österreicherin in der Schweiz leben zu dürfen.

Das 1. August-Abzeichen 2011 ist wertbeständig aus einer geätzten und polierten Messingplakette und dient für den Jugendaustausch. Ich möchte euch die Plakette wirklich ans Herz legen und bitte euch, mir doch das letzte Abzeichen doch noch abzukaufen.

 

Uns allen wünsche ich im Zeichen beziehungsweise im Abzeichen des 1. Augustes ein schönes Fest.

Kurt Schweizer